stehende ovationen

»die einen, die anderen« »stehende ovationen für die vierzehn tänzerinnen und tänzer aus berlin und natal/brasilien mit dem inszenierungsteam um choreografin toula limnaios, die sich in ihrer ersten gemeinsamen produktion mit einem aufsehenerregenden tänzerischen diskurs über reale und utopische körperbilder beidseits des atlantiks als universell präsentieren…«

karin schmidt-feister auf tanznetz.de
vorstellungen in berlin: 1.-4. & 8.-11. & 15.-18. juni 2017

 

wir sind viele...

»wir sind viele. …es beginnt mit einer seltsamen doppelung: leonardo d’aquino betritt in heller sommerlicher kleidung die bühne, er scheint auf unheimliche weise verknüpft mit einer zwergenhaft anmutenden kreatur, die unter einem pelzmantel verborgen ist. auch die tänzerinnen in ihren transparenten kleidchen sind bezogen auf ein dunkles gegenbild. das sichtbare und unsichtbare, das schöne und das groteske gehen in dem neuen tanzstück von toula limnaios eine innige verbindung ein. …
wenn die berliner tanzen, sind die brasilianer nur im video zu sehen, und vice versa. zueinander finden sie nur in den tollen videos von giacomo corvaia, die imaginäre räume öffnen. doch die beiden teile des stücks sind durch spiegelungen und korrespondenzen miteinander verklammert. toula limnaios lässt die brasilianer dieselben themen und bilder behandeln, auch wenn das bewegungsmaterial sich unterscheidet. es ist eine künstlerische begegnung auf augenhöhe, das macht den abend so beglückend. … brasilien-klischees umschifft auch der komponist ralph r. ollertz, dessen rhythmische musik die tänzer antreibt. …
wenn die brasilianer die bühne betreten, wird das stück grotesker, aber auch zärtlicher. … (sie) begeistern durch ihre ausdruckskraft und ihre tanzwut. die behinderten performer gehen schon mal bis an ihre grenzen, doch der tanz wird nie zur freakshow. … am ende gab es standing ovations für toula limnaios und die tänzer. «

tagesspiegel, kultur, sandra luzina, 03.06.2017.